Kleingartenanlagen 4.0?

Schrebergärten im Cyber-Zeitalter

Das Konzept und die Praxis des Kleingartenwesens gibt es bereits seit dem 18. Jahrhundert. Besondere Aufmerksamkeit erlangten Schrebergärten während der zwei Weltkriege, als sie dazu beitrugen, die Nahrungsmittelknappheit in kleinen Gemeinden in ganz Europa zu lindern. Seitdem haben sich die Freunde dieser kollektiven kleinräumigen Lebensmittelproduktionsmethoden stark in Richtung der älteren Bevölkerung orientiert. Doch unsere veränderte Wahrnehmung der Natur und der Ethik innerhalb der Nahrungsmittelproduktion, sowie die Entstehung und das Wachstum einer umweltbewussten Jahrtausendgeneration haben den Schrebergartenbau plötzlich wieder salonfähig gemacht.

Was ist Kleingartenbau?

Der Kleingartenbau ist eine gemeinschaftliche und nicht kommerzielle Anbaumethode, bei der die Mitglieder der Gemeinschaft auf einem unterteilten Stück Land Kulturpflanzen anbauen. Historisch gesehen werden die Grundstücke von den lokalen Regierungen durch Pachtverträge für eine bestimmte Zeit an gewisse Gemeinschaften vergeben. In vielen Fällen wurde jedoch das Landeigentum schließlich für immer an die Gemeinden übertragen. In solchen Fällen werden alle fälligen Steuern und sonstigen Verbindlichkeiten von den neuen Eigentümern bezahlt. Mitunter wurde auf diese Weise genutztes Land auch von Mitgliedern von Königshäusern und wohlhabenden Landbesitzern vergeben. Kleingartenanlagen, auch Heimgärten, Familiengärten, Bünte, Lauben, Parzellen, Gemeinschaftsgärten, Schrebergärten und verschiedenes mehr genannt, gibt es seit Beginn der Geschichtsschreibung. Das häufigste Beispiel dafür ist, dass Herrscher, Könige und Militärs Teile des eroberten Landes als Belohnung und Mittel der soziokulturellen Expansion an ihre Bürger zur Bewirtschaftung ausgaben. In der Neuzeit jedoch begann die formale Umsetzung dieses Konzepts im England des 18. Jahrhunderts.

Was sind die Vorteile von Kleingartenarbeit?

Die Kleingärtnerei hat viele direkte und indirekte Vorteile. Einige davon sind:

Die Reduzierung deines Kohlenstoff-Fußabdrucks

Die Nahrungsmittelproduktion ist für etwa 17 % der globalen Kohlenstoffemissionen verantwortlich, wobei jeder Haushalt durchschnittlich etwa 48 Tonnen Treibhausgase pro Jahr produziert. Der Anbau eigener Lebensmittel kann dazu beitragen, die persönlichen Auswirkungen auf die Umwelt für dich und deine Familie zu reduzieren. Du wirst besser schlafen, wenn du weißt, dass du nur minimal an kontrollierten Waldbränden für Ackerland und an der Nutzung fossiler Brennstoffe für die Produktion und Distribution von Nahrungsmitteln beteiligt bist. Darüber hinaus können kleine Gärten als grüne Lungen von Gemeinschaften dienen. Dies ist in städtischen Gebieten unglaublich offensichtlich – die verbesserte Luftqualität ist wirklich spürbar!

Gesündere Lebensweise

20 Minuten Bewegung am Tag könnten Wunder wirken, um das Risiko von Herzerkrankungen zu reduzieren. Anstatt sich also zu zwingen, in der Nachbarschaft herumzujoggen, könntest du stattdessen Zeit mit der Arbeit in deinem eigenen Garten verbringen. Der Anblick deiner Pflanzen, die wachsen, und besser noch, reifen und letztlich Früchte tragen, wird dir leicht die nötige Motivation hierfür geben.

Wirtschaftliche Vorteile

Wahrscheinlich weißt du das instinktiv schon, aber die Preise für die in Supermärkten gekauften Produkte und Früchte beinhalten die Kosten für Land, Arbeit, Düngemittel, Wasser, Pestizide, Pflanz- und Erntegeräte, Verteilung (Arbeitskräfte, Lastwagen, Züge und Lagerhäuser) und vieles mehr. Wenn du also das nächste Mal über den Preis von Brokkoli oder Zucchini im Supermarkt die Stirn runzeln, denke einfach daran, dass du für ein Zehntel der Kosten dasselbe Produkt selbst hättest anbauen können.

Psychologisches Wohlbefinden

Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass sich die Beschäftigung mit Kulturlandschaften ungemein positiv auf die psychologische Gesundheit auswirken kann. Menschen, die sich in solchen Gebieten aufhalten, zeigen eine verbesserte Stimmung, Selbstwertgefühl und Wohlbefinden. Des Weiteren berichten sie von einem geringeren Stressniveau aufgrund des direkten Kontakts mit der Natur. Einige Forscher an der Universität Exeter fanden sogar Zusammenhänge zwischen Kreativität und der Arbeit in einer grünen Umgebung!

Kleingartenarbeit im neuen Jahrtausend

Die Generationen dieses neuen Jahrtausends sind mit einem viel besseren Verständnis für die Auswirkungen, die wir auf die Umwelt haben, gesegnet. Sie sind sich der Gefahr der Umweltverschmutzung, der anhaltenden Ausbeutung der Ressourcen unseres Planeten Erde, der grausamen Praktiken bei der Produktion von Fleisch und Eiern und des ineffizienten globalen Nahrungsmittelverteilungsnetzes sehr wohl bewusst. Kein Wunder also, dass sie über diese ökologischen und ethischen Fragen und ihre Rolle in diesem Zusammenhang sehr besorgt sind. Um die Problematik einzudämmen, haben heute viele Menschen ihren Lebensstil angepasst, um zu recyceln, Abfall zu reduzieren und nachhaltige Nahrungsquellen zu unterstützen. Es ist ganz offensichtlich, dass der nächste Schritt in der Entwicklung wohl in Form des Anbaus eigener Nahrungsmittel erfolgt. Während es für die meisten Menschen logistisch unmöglich ist, Vieh für den Verzehr zu züchten, ist der Anbau von eigenem Gemüse und Obst in ausgewiesenen Gebieten sehr gut möglich – daher das wachsende Interesse dieser gewissenhaften Bevölkerungsgruppe an Kleingärten.

Wenn du die Möglichkeit der eigenen Nahrungsmittelproduktion ausloten möchten, ist der beste Ausgangspunkt der Beitritt zu einer örtlichen Kleingartenorganisation. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, beantrage Land, das parzelliert werden soll. Es könnte eine Weile dauern, aber wenn man die heutigen Grundstückspreise betrachtet, wird sich das Warten absolut lohnen!

Allotment gardening